Presse-Spiegel

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ID99437
Datum12.05.2018
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileBreites Bündnis will Krankenhäuser erhalten
WortlautVor allem Kliniken im ländlichen Raum brauchen finanzielle Absicherung – Mehr Geld und Personal in der Pflege

Kein weiterer Personalabbau in den Kliniken, keine Standortschließungen, keine Privatisierungen, dafür mehr Unterstützung für die Krankenhäuser im ländlichen Raum: Mit diesen Forderungen hat sich gestern ein Bündnis aus Gewerkschaftern, Politikern, Ärzten, Klinikmitarbeitern und Patienten der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Motto „Krankenhaus statt Fabrik“ treten sie dafür ein, der Gesundheit einen größeren Stellenwert zu geben als dem Geld.

Das, was derzeit in der deutschen Krankenhauslandschaft abläuft, nennt der Ansbacher Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg „eine Strukturbereinigung“. Die Politik gestalte die Rahmenbedingungen so, dass manchen Kliniken gar nichts anderes übrig bleibe, als aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus dichtzumachen. Die Folge: Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung kommt unter die Räder, ganz besonders in dünn besiedelten Regionen wie dem Landkreis Ansbach, wo das kommunale Krankenhausunternehmen ANregiomed seit Jahren schon mit hohen Defiziten kämpft.

Mitglieder der Gewerkschaft Verdi, Arbeitnehmervertreter von ANregiomed, Mitglieder des Ansbacher Seniorenbeirates, Ärzte und Gesundheitspolitiker Harald Weinberg haben sich daher zusammengetan und treten für den Erhalt einer flächendeckenden medizinischen Versorgung ein. Damit statten sie die bereits 2015 bundesweit ins Leben gerufene Initiative „Krankenhaus statt Fabrik“ erstmals regional mit konkreten Forderungen aus.

Auch die Ärzte sind mit im Boot. „Wir müssen die Patienten immer öfter nach Nürnberg, Erlangen oder Würzburg bringen, weil die Ansbacher Notaufnahme nahezu chronisch überlastet ist“, schildert Dr. Markus Bucka, Obmann der Ansbacher Notärzte. Für ihn ist klar: Geld wird am Patienten verdient, nicht im Management. „Je größer der Wasserkopf, desto mehr Geld wird aus der Pflege abgezogen.“

Dort fehlen nach Gewerkschaftsangaben bundesweit 162000 Stellen. Darunter leide die Qualität der Pflege. Und zu hohe Anforderungen an zu wenige Mitarbeiter führten dazu, dass den Beruf immer weniger Menschen ausüben möchten, schildert Gewerkschaftssekretär Ulli Schneeweiß von Verdi. Sie kenne einige frühere Kollegen, die bereits aus ihrem Job geflohen seien, berichtet Rosi Sindel von der Verdi-Betriebsgruppe am ANregiomed-Standort Dinkelsbühl.

„Schluss mit der Arbeitsverdichtung“, fordert Norbert Lechler, der Personalratschef von ANregiomed. Es müsse endlich gesetzlich geregelt werden, wie das Personal in Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen bemessen wird. Zudem sollten die Länder die Investitionskosten vollständig finanzieren, damit nicht immer wieder Geld, das für Personal bestimmt sei, in Großgeräte und ähnliches fließt. Zwar seien die ANregiomed- Krankenhäuser Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg per Gesetz im Bestand geschützt, so Lechler. Die Sicherstellungszuschläge seien für eine ausreichende Finanzierung jedoch bei Weitem nicht genug.

Heinz Kötzel vom Ansbacher Seniorenbeirat unterstreicht, dass jeder den Anspruch auf eine adäquate medizinische Versorgung habe, ob jung oder alt, ob in einer Großstadt oder auf dem Land. „Wir alle sollten für den Erhalt aller Standorte auftreten“, forderte er.