Presse-Spiegel

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ID99443
Datum21.02.2018
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileVerbot von Glyphosat auf städtischen Flächen
WortlautUmweltausschuss stimmte Antrag der Offenen Linken zu – Oberbürgermeisterin Seidel sieht die Pflicht: „Als Vorbild agieren“

Die Stadt Ansbach will künftig den Einsatz des Pflanzengiftes Glyphosat auf den Flächen verbieten, die sie selbst verpachtet. Einen entsprechenden Antrag der Offenen Linken (OLA) billigten die Mitglieder des Umweltausschusses
gegen die Stimmen der CSU. Von heute auf morgen soll die neue Klausel in den Verträgen indes nicht greifen, die
Stadtverwaltung will eine Übergangsfrist von zwei Jahren gewähren.

Zunächst habe dieser Passus einen freiwilligen Charakter, sagte Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos). Doch würden die Pächter diesem innerhalb der Übergangsfrist nicht zustimmen, drohe die Kündigung. „Wir haben eine Vorbild- und eine Vorsorgefunktion für die Menschen der Stadt“, machte die Rathauschefin deutlich. Und bei diesem Thema „sehe ich mich schon verpflichtet, als Vorbild zu agieren“.

Baureferent Jochen Büschl machte deutlich, dass die Kontrolle, ob dieser Verzicht umgesetzt wird, schwierig werde. „Man müsste sie in flagranti erwischen.“ Eine weitere Klausel soll in die Verträge aufgenommen werden: Sie sieht vor, auf
Mittel mit Neonicotinoiden zu verzichten. Dieser Vorschlag stammt von Büschl. Seine Begründung: „Diese Mittel sind laut Studien im Verdacht, den Großteil des Bienensterbens mit auszulösen.“ Betroffen von den Änderungen sind 60 Ackerflächen mit rund 50 Hektar. Insgesamt verpachte die Stadt Ansbach 200 Flächen.

Die OLA-Fraktion begründete ihren Antrag damit, dass das „dramatische Insektensterben“ der vergangenen Jahre unter anderem auf den Einsatz von Glyphosat zurückzuführen sei. Zudem habe die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsagentur den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Da die Stadt
Mitglied im Verband der Kommunen für biologische Vielfalt sei, „sollten wir ein Zeichen setzen“, so Kerstin Jeremias-Weinberg.

Neben der SPD stimmten die BAP, die Grünen, die ÖDP und die Freien Wähler dem Antrag zu. Eingesetzte Spritzmittel „sind einfach mit schuld am Insekten- und Vogelsterben“, betonte etwa Hannes Hüttinger (BAP). Durch Glyphosat wird die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, „maßgeblich eingeschränkt“, ergänzte Werner Forstmeier (ÖDP).

Anders sah es hingegen die CSU. Zwar wolle man nicht den Eindruck erwecken, dass der Einsatz von Glyphosat
kein Problem darstelle, sagte Gerhard Sauerhammer. Allerdings sei auch noch nicht endgültig bewiesen, welche negativen Folgen das Mittel tatsächlich habe. Ein Verzicht auf Glyphosat kann nach seinen Worten gerade bei Hangflächen zu einer erhöhten Erosionsgefahr führen, weil die Landwirte den Boden dann pflügen müssten. Gerhard
Enzner berichtete, dass der Verbrauch des Mittels durch stetige Überprüfungen in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland um 50 Prozent gesunken sei. Er bat darum, „dass wir jetzt keinen Alleingang machen“.