Presse-Spiegel

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ID99456
Datum19.05.2017
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileDämpfer für die Ansbacher Hochschul-Pläne
WortlautInnenminister bezweifelt Notwendigkeit der Erweiterung auf dem Barton-Areal - Seidel: Zweiter Campus ein legitimer Ansatz

Die gemeinsamen Pläne der Hochschule und der Stadt Ansbach, nach dem Abzug der US-Armee auf dem Gelände der Barton Barracks einen Mediencampus einzurichten, drohen zu platzen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zieht in Zweifel, dass dieses Areal für die Erweiterung der Hochschule not-wendig ist. Diese Aussage wird vor allem im Stadthaus mit Befremden aufgenommen.

Auf dem bestehenden Campus gebe es „noch genügend Platz, um da weitere Studenten und Studiengänge unterzubringen", sagte Herrmann nach der Sitzung des Kabinetts in Feuchtwangen. „Ob die Barton Barracks notwendig sind, das scheint uns im Moment nicht das vordringliche Problem zu sein", äußerte sich Herrmann. Er verwies nicht nur auf die drei Außenstellen in Feuchtwangen, Herrieden und Rothenburg. „Auch auf einem Platz, wo bisher Pkw geparkt sind", könne „noch gebaut werden".

„Die Hochschule zaubert jetzt schon"

Jens Renner, Pressesprecher der Hochschule, sagte dazu Radio 8: „Den Parkplatz zu überbauen, das reicht ganz bestimmt nicht aus. Für unsere Pläne, die Medien auszubauen, brauchen wir mehr Platz." Renner bezeichnete das US-Gelände als „historisch einmalige Gelegenheit".

Eindeutiger in Richtung Minister Herrmann wurde Oberbürgermeisterin Carda Seidel: „Ich weiß nicht, wo er diesen Platz sieht." Die technischen Disziplinen der Hochschule platzten bereits aus allen Nähten. „Wir haben bei den Medien zehnmal mehr Bewerber als wir annehmen können." Die Hochschule habe Fremdanmietungen laufen, Räume seien teilweise dreifach belegt und müssten deshalb immer wieder umgebaut werden. „Die Hochschule zaubert im Endeffekt jetzt schon." Und da Ansbach eine Hochschule mit „sehr gutem Ruf und guten Rankings" habe, wachse sie immer weiter. Ein zweiter Campus sei also ein. völlig legitimer Ansatz. Seidel sieht die Aussage des Ministers aber durchaus gelassen. Sie gehe davon aus, dass erst einmal die Priorität für eine Universität in Nürnberg deutlich gemacht werden sollte. Und: „Wir haben ja noch Zeit. Deshalb haben Wir so früh angefangen, diese Idee zu entwickeln."

Heftige Kritik an Herrmanns Aus-sagen äußerte die Stadtratsfraktion der Offenen Linken. Es sei „völlig schleierhaft", wie der Minister auf dem Hochschul-Parkplatz zusätzliche Studiengänge unterbringen wolle. Sollten diese Stellplätze wegfallen, würde das angrenzende Stadtviertel noch stärker belastet als ohnehin schon, so deren Sprecher Boris-André Meyer. „Das zeigt erneut, dass die CSU Großstädte bei der Bildung bevorzugt. So bleibt der ländliche Raum weiter auf der Strecke."

Auf FLZ-Anfrage erläuterte der Sprecher des Innenministeriums, Oliver Platzer, die Aussage Herrmanns. Dieser sei der Ansicht, „für die nächste Stufe" des Hochschul-Ausbaus sei noch Platz vorhanden. Über weitere Baumaßnahmen könne erst entschieden werden, wenn das Wissenschaftsministerium das Ausbaukonzept genehmigt habe.
Das Wissenschaftsministerium äußerte sich zurückhaltend. Man kenne das Rohkonzept der Hochschule, so Pressesprecher Dr. Ludwig Unger. Das Thema digitale Medien halte man für wichtig. Doch sei ein Ausbau der Hochschule „wesentlich von der Nachfrage der Studierenden abhängig". Diese sei „abzuwarten". „Das schließt nicht aus, dass ein zusätzlicher Raumbedarf zum Beispiel zu Forschungszwecken begründet werden kann." Einen Zusammenhang zwischen den Ansbacher Plänen und dem Beschluss, in Nürnberg eine Universität zu gründen, sieht Unger nicht: Beide hätten jeweils eigene Ziele.