Presse-Spiegel

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ID99457
Datum05.05.2017
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileÄrztemangel und ein radikaler Ansatz
WortlautLinken-Abgeordneter Weinberg thematisierte die Gesundheitsversorgung

Hausärzte sind in einigen Gemeinden des Landkreises Ansbach Mangelware. Bei einer Informationsveranstaltung nannte der Ansbacher Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Die Linke) zwei Probleme: den Ärztemangel auf dem Land und den krisengeschüttelten Klinikverbund ANregiomed. „Die Rahmenbedingungen setzen auf Wettbewerb statt auf Kooperationen", sagte der Politiker.

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern sind 15 Stellen unbesetzt. Damit klafft hier bayernweit die größte Lücke an Allgemeinmedizinern. Vor allem die Bereiche Ansbach-Nord und Feuchtwangen gelten als unterversorgt. In Dinkelsbühl und Wassertrüdingen droht ein ähnliches Szenario. In Ansbach-Nord - dazu gehören beispielsweise Colmberg, Leutershau-sen oder Lehrberg - beträgt der Versorgungsgrad knapp über 70 Prozent. In Feuchtwangen sind es rund 72 Prozent. Ausschlaggebend für den Versorgungsgrad einer Region ist die Einwohnerzahl: Läuft alles nach Plan, entspricht das Verhältnis von Hausarzt zu Einwohner 100 Prozent. Ein Bedarfsplan regelt die Ärztedichte. Er sieht vor, dass auf 1671 Einwohner ein Allgemeinmediziner kommt.

Dr. Helmut Hildebrandt aus Hamburg stellte in seinem Vortrag Ideen für regionale Gesundheitsnetzwerke vor. Sein Ansatz sei „radikal", sagte der Gesundheitsmanager.

2005 gründete Hildebrandt zusammen mit 35 Ärzten die "Gesundes Kinzigtal GmbH'.' im Schwarzwald und schloss Verträge mit zwei Krankenkassen. Deren rund 33000 Versicherte leben im Kinzigtal südöstlich von Offenburg. „Das

Gesundheitssystem ist auf die Behandlung ausgerichtet - das ist der falsche Ansatz", erklärte Hildebrandt. „Es geht darum, wo man früher ansetzen . kann: Wenn beispielsweise ein Patient an Diabetes leidet, wie kann man ihn vor Folgeschäden bewahren?"

Der Gesundheitsmanager hat das System umgedreht. Eigentlich werden Ärzte dafür bezahlt, Krankheiten zu behandeln. Im Kinzigtal verdienen sie mehr, wenn die Mediziner die Gesundheit der Patienten erhalten; weniger Kosten für die Krankenkassen - und davon profitiert auch die GmbH. Denn ein Teil der Einsparungen fließt an das Unternehmen.

Wichtigstes Ziel ist also, dass die Patienten gesund bleiben oder nach einer Krankheit möglichst schnell wieder fit werden. Dafür gebe es Zielvereinbarungen mit den Ärzten, so Helmut Hildebrandt. „Das kann zum Beispiel nach einer Operation sein, dass ein Patient selbstständig mit der Bahn zu seinem Enkel fahren möchte", erklärte der Gesundheits-Experte. „Patienten, die mit ihrem Arzt eine Zielvereinbarung treffen, haben bei uns eine Zufriedenheit von 98,9 Prozent." Denn aktivierte Patienten seien kostengünstiger und kümmerten sich bes¬ser um die eigene Gesundheit, so Hildebrandt weiter. Rund ein Drittel der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten sind Mitglieder im „Gesunden Kinzigtal". Außerdem sind mit im Boot: 41 Kooperationsvereine, 15 Apotheken, fünf Fitnessstudios und elf weitere Partner aus der Schwarz-wald-Region. Im bundesweiten Durchschnitt leben Menschen in der Region „Gesundes Kinzigtal" 1,2 Jahre länger.