Presse-Spiegel

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ID99458
Datum20.04.2017
MediumWoche im Blick, Ansbach
SchlagzeileWieder Ostermarsch. Gegen Krieg und Waffengeschäfte.
WortlautRund 350 Teilnehmer haben am Ostersamstag an den beiden Ansbacher Veranstaltungen zum Ostermarsch 2017 teilgenommen. Während beim „Warm up" vor den Toren der Katterbacher US-Kaserne knapp 100 Demonstranten zugegen waren, versammelten sich bei der eigentlichen Kundgebung auf dem Martin Luther-Platz hernach knapp 250 Friedens-bewegte.

„Aufrüstung stoppen! Vernunft statt Krieg" war das Generalthema der Friedensdemo, zu dem das Ansbacher Friedensbündnis und die Bürgerinitiative „Etz langt's" aufgerufen hatten.

Offene Linke-Stadtrat Boris Andre Meyer begrüßte in Katterbach auch den tsche-chischen Europaabgeordneten der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM), Jaromir Kohlicek, welcher daran erinnerte, dass er und seine Mitstreiter einen US-Stützpunkt in Zentralböhmen verhindert hätten - für ihn ein „Riesenerfolg". Meyer selbst forderte eine zivile Umnutzung der US-amerikanischen Stützpunkte, wie es sie in der Planung bereits für die Ansbacher Bartonkaserne gebe. Angesichts der Pläne zur Hochschulerweiterung und der Schaffung von Wohnraum in der ehemaligen Kaserne ab dem Jahr 2021 sagte Meyer: „So sieht Zukunft aus."

Grünen-Stadtrat Richard Iiiig mahnte, eine Bekämpfung von Fluchtursachen statt der Aufrüstung und der „glänzenden Geschäfte mit Waffen" an. Deutschland sei seit 2014 von Platz Acht der größten Waffenexporteure auf den fünften Platz vorgerückt, gab Iiiig zu bedenken.

Auch Andre Fitzthum (BI Etz langt's) sprach sich beim Vortrag einer Rede der erkrankten Bad Windsheimer SPD-Stadträtin Petra Negendank gegen die US-Stationierung in Katterbach und Illesheim aus. In den USA, so Negendank, dürften die Hubschrauber nicht über bewohntem Gebiet fliegen, wohl aber in Deutschland.

Während der Reden in Katterbach kam es zu einer kurzen Unterbrechung seitens der US-Streitkräfte: Ein Vertreter der US-Militärpolizei forderte die Versammlungsteilnehmer auf, keine Fotos vom Eingangsbereich der Kaserne zu machen („no pictures of the gate"), was zu aufgebrachten Kommentaren aus den Reihen der De-monstranten führte.

Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Martin Luther-Platz sprach zunächst der ehemalige Pfarrer Hansjörg Meyer zu den Teilnehmern und verbat sich dabei ein „Menschen töten für Wirtschaftsinteressen". Meyer wies darauf hin, dass es durchaus „völkerrechtliche Grundlagen für eine menschliche Politik" gebe. Boris-Andre Meyer kritisierte, dass die US-Stationierung vor allem ein bundespolitisches Problem sei: Der Bund und der Freistaat Bayern seien für die US-Präsenz, monierte er.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Wein¬berg (Ansbach) sprach vom „Wahnsinn von Krieg und Aufrüstung" und sah einen Zusammenhang zwischen Krieg und dem kapitalistischen System. So gebe es Krieg um Rohstoffe ebenso wie „Krieg als Dienstleistung" und Wirtschaftszweig.

Hannes Hüttinger (Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser/BAP) erinnerte an den einstimmigen Stadtratsbeschluss aus dem Jahre 2009 für ein generelles Überflugverbot von bebautem Gebiet sowie für Flugverbotszeiten nachts und am Wochenende, der bis heute keine Wirkung gezeitigt habe. Auch Hüttinger wandte sich gegen die Produktion und den Export von Rüstungsgütern und forderte „möglichst viele waffenfreie Zonen" und ein „friedliches Ansbach ohne Militär".
Schließlich solidarisierte sich auch der Sommers-dorfer Pfarrer Hans Lohr mit den Demonstranten, bevor sich der Demonstrationszug auf den eigentlichen Ostermarsch begab.