Presse-Spiegel

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ID99509
Datum04.09.2015
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
Schlagzeile"Ehrenamtliche leisten Hilfe zur Selbsthilfe". Ab 1. Oktober Reparaturstube ...
Wortlaut... und "Kost nix"-Laden.

Die Initiative heißt „Ansbach umgedacht“: Sie will zunächst eine Reparaturstube und einen „Kostnix“-Laden, sprich Gebrauchtwaren- und -kleiderladen, bieten. Aber auch „Foodsharing“, die Weitergabe von Lebensmitteln, ist für die Gruppe ein Thema, wie Mitinitiatorin Kerstin Kernstock-Jeremias sagt. Dazu ma ehe man sich im Moment noch Gedanken, wie man dies organisiere.

„In Deutschland werden jährlich 30 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen“, klagt Kerstin Kernstock-Jeremias, die auch dem Stadtrat angehört. Haushaltsgeräte, die man eigentlich reparieren könnte, „werden weggeschmissen“. Gut erhaltene Kleidung lande im Müll, nur weil sie nicht mehr zeitgemäß sei.

„In einer Zeit, in der alles seinen Preis hat, aber nichts einen Wert, in einer Zeit, in der wir genau deswegen unsere Natur und damit unseren Lebensraum unverhältnismäßig zerstören“, möchte die Initiative gegensteuern und ihren Teil dazu beitragen, in Respekt mit Mitmenschen und der Natur umzugehen. „Ansbach umgedacht“ sei eine Gruppe von Menschen, die Nachhaltigkeit, soziales Miteinander und Umweltschutz für wichtig und notwendig hielten, erklärt die Mitinitiatorin.

Die Reparaturstube und der „Kost nix“-Laden werden in der Kronenstraße 5 ihren Platz haben. Beide sind ab dem Start 1. Oktober erst einmal jeweils am ersten und am dritten Samstag (Reparaturstube) sowie am zweiten und am vierten Samstag (Laden) eines Monats in der Zeit von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

„Ehrenamtliche Unterstützer werden Hilfe zur Selbsthilfe leisten, ind em sie Menschen, die defekte kleinere Haushaltsgeräte haben, anleiten, wie sie ihre Geräte oder auch Fahrräder wieder selbst reparieren können“, erläutert Kerstin Kernstock-Jeremias zu der Reparaturstube. Wer selbst nichts zu reparieren habe, könne anderen dabei helfen. „Klar ist, dass wir nichts versprechen können und auch keinerlei Haftung übernehmen können.“

Der Initiative liege auch am Herzen, den Flüchtlingen mehr Mobilität zu ermöglichen. Man nehme gern alte Fahrräder entgegen, „die wir dann mit den Flüchtlingen reparieren“ und wieder fahrtüchtig machen. „Wenn wir weiter so konsumieren, werden wir nicht nur ein Grad Erderwärmung haben, sondern bis zu drei Grad“, weist sie auf den Klimawandel hin. Durch den Temperaturanstieg gehe Lebensraum verloren, und neue Fluchtbewegungen entstünden. Dem müsse man entgegenwirken. Es gehe auch um die Zukunft der Kinder.

Da „Ansbach um gedacht“ keinerlei Gewinn aus dem Projekt ziehe, sei man rein auf Spenden angewiesen. Ein gewünschter Holzofen etwa solle helfen, die Heizkosten im Winter etwas zu senken. „Wir sehen uns dabei keineswegs als Konkurrenz zu Reparaturprofis oder anderen Gebrauchtwaren- und -kleiderläden.“ Im Gegenteil: Man wecke das Interesse an Alternativen zum herkömmlichen Konsumverhalten und verweise gerne an „die wenigen Profis und Menschen weiter, die diese Möglichkeiten bieten“.