Presse-Spiegel

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ID99539
Datum11.02.2015
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileMediziner fühlen sich ungenügend wertgeschätzt.
WortlautDiskussion im Ansbacher Kunsthaus drehte sich um Ursachen für Mangel an Landärzten und Lösungsansätze.

Unter Ärztemangel mag die Ansbacher Region leiden, das Kunsthaus in der Ansbacher Reitbahn tat es bei dem entsprechenden Themenabend jedenfalls nicht. Unter den rund 50 Gästen im Publikum waren zahlreiche Mediziner, die eifrig mitdiskutierten und ihrer geballten Wut Ausdruck verliehen. Ganz offensichtlich hatte der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Die Linke), der zu dem Themenabend „Land ohne Arzt? - Zukunft der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“ eingeladen hatte und ihn auch moderierte, mit der Veranstaltung einen Nerv getroffen.

Fast schon mutete das Zusammentreffen wie ein kleiner Ärztekongress an — ergänzt durch diverse, ebenfalls sehr mit der Problematik hadernde Bürgermeister aus dem Ansbacher Umland. Aus Sicht der Hausärzte sprach Dr. Hans-Erich Singer, Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern für Mittelfranken und niedergelassener Arzt in Mitteleschenbach. Als Vertreter der Fachärzte war Dr. Ulrich Schwiersch aus Fürth eingeladen.

„Das ist eine Erkrankung, die schon einige Jahre vor sich hinschwelt“, bemerkte Dr. Singer hinsichtlich der Diskussion, die jüngst wieder hochgekocht war, nachdem der Spiegel eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung veröffentlicht hatte, der zufolge das Ansbacher Umland bundesweites Schlusslicht bei der medizinischen Versorgung durch niedergelassene Arzte ist.

Wegen geänderter Lebensentwürfe ziehe es kaum mehr junge Arzte aufs Land, glaubt Dr. Singer. Die „alten Schlachtrösser“ von früher gebe es nicht mehr, die Jungen wollten keine 60-Stunden-Woche mehr. Mit einer Verzögerung von fünf Jahren werde die Problematik auch die Fachärzte betreffen, die im Schnitt fünf Jahre jünger seien, prophezeite sein Kollege Dr. Schwiersch. Ein Mangel an Fachärzten werde „mit gleicher Intensität auf die Region zukommen“.

Als konkrete Ursachen für den Ärztemangel wurden im Verlauf der Diskussion, an der sich das Publikum um lebhaft beteiligte, außerdem das unternehmerische Risiko einer eigenen Praxis, eine von Bereitschaftsdienst und Notarzteinsätzen und an allererster Stelle die zeitfressende Bürokratie genannt. Die Mediziner im Publikum machten ihrer Empörung lautstark Luft. Das Spektrum der Klagen reichte von der „Allmacht der Krankenkassen“ über das immense „Anspruchsdenken“ der Patienten bis hin zur gefühlten mangelhaften Anerkennung des Berufsstandes: „Deutschland ist es nicht wert, mit Ärzten gut versorgt zu sein, denn die Ärzte sind Deutschland nichts wert.“

Lösungen für eine gesicherte ländliche Versorgung könnten überörtliche Gemeinschaftspraxen, medizinische Versorgungszentren oder eine stärkere Einbindung der Krankenhäuser in die ambulante Versorgung sein, hieß es. Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe angekündigte Versorgungsstärkungsgesetz, das zum Beispielerweiterte Förderungen für die Niederlassung in strukturschwachen Gebieten vorsieht, werde aber wenig ändern, so der allgemeine Konsens. Auf ein kleines Detail wies einer der jüngeren Mediziner im Publik um hin. Er sei gerne niedergelassener Arzt. An diesem Abend sei er aber froh, keinen Assistenten dabei zu haben, denn dieser hätte nach der Diskussion sicher keine Lust mehr, Arzt zu werden. „Wir vermitteln den jungen Kollegen nicht die Freude am Beruf.“