Presse-Spiegel

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ID99672
Datum27.08.2014
MediumFränkische Landeszeitung, Ansbach
SchlagzeileFußgänger-Grün: Wenn für Senioren die Sekunden zählen.
WortlautOffene Linke mit der Stoppuhr unterwegs.

Die Beschwerden sind nicht neu: Vor allem ältere Menschen, die nicht ganz so gut zu Fuß sind, fühlen sich an Ansbacher Fußgängerübergängen immer wieder gehetzt, weil ihre Ampel oft schon von Grün auf Rot wechselt, wenn sie noch mitten auf der Fahrbahn sind. Bestätigt hat dies jetzt auch ein Test an der Nürnberger Straße. Für die rund zwölf Meter, die vom Fußgänger zu bewältigen sind, standen gerade mal etwas mehr als zehn Sekunden zur Verfügung. Schon jemand, der gut zu Fuß ist, schafft es in dieser Zeit kaum auf die andere Straßenseite. Wer mit Rollator oder gar im Rollstuhl unterwegs
ist, braucht entsprechend länger. Auf mehreren Ebenen bemüht man sich deshalb derzeit, Verbesserungen zu erreichen.

So etwa im Seniorenbeirat. Der dort für das Thema Verkehr zuständige Wolfdieter Fuchs ist erst kürzlich mit den zuständigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung die Nürnberger und die Residenzstraße abgegangen. An mehreren Übergängen sei deutlich geworden, dass Verbesserungen notwendig wären, sagte er der FLZ. Konkret zugesagt worden sei dies für den Übergang zwischen Orangerie und Hofwiese, wo besonders steil e Bordsteinkanten eine Überquerung mit Rollstuhl oder Rollator zum echten Problem machten. Auch beim Thema Grünzeiten für Fußgänger habe die Stadt zugesagt, Verbesserungsmöglichkeiten zu prüfen. „Und wir werden da hartnäckig dranbleiben“, kündigte Fuchs an.

Das haben auch die drei Stadträte der Offenen Linken (OL) vor. Kerstin Kernstock-Jeremias, ihre Vertreterin im Verkehrsausschuss, hatte dort kürzlich beantragt, die Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer zu verändern, und war im Gegenzug von der Verwaltung dazu aufgefordert worden, besonders neuralgische Übergänge zu benennen. Inzwischen haben die Stadträte ihre Hausaufgaben gemacht und insgesamt sechs solcher Überwege unter die Lupe genommen.

Abschluss waren nun Tests am Überweg in der Nürnberger Straße etwa in Höhe der dortigen Seniorenresidenzen, weil Klagen von Bewohnern dort die OL auf das Thema aufmerksam gemacht hatten. Auch hier wurde bestätigt, was Stoppuhren zuvor schon an Übergängen am Hohenzollernring und an den Kreuzungen Oberhäuser-/Glasstraße sowie Retti-/ Rügländer Straße, Rügländer Straße/ Karpfenstraße und am Theatersteg deutlich gemacht hatten: Nirgendwo standen mehr als 14 Sekunden, im Einzelfall mal auch nur acht Sekunden für eine Querung zur Verfügung. Gleichzeitig wurden den Querungswilligen Wartezeiten zwischen 22 und 83 Sekunden abverlangt, die oft auch am gleichen Übergang höchst unterschiedlich ausfielen.

Dass die Dauer der Grünphase all ein noch keine Aussage darüber trifft, wie lange der Fußgänger auf dem Übergang vor Verkehr geschützt ist, ist dabei nicht neu. Denn auch nach dem Wechsel der Fußgängerampel auf Rot wird dem wartenden Autofahrer noch lange nicht Grün gegeben. In dieser verbleibenden Schutzzeit solle dem Fußgänger Gelegenheit gegeben werden, sicher die andere Straßenseite zu erreichen, wurde von den Verkehrsbehörden immer argumentiert. Eine Verlängerung der Grünphase um diese „Schutzzeit“ sei dagegen unmöglich, weil höchst gefährlich. Für diesen Fall würden nämlich später ankommende Fußgänger auch dann noch auf die Straße gelockt, wenn der Autoverkehr bereits gleich wieder durchstarte.

Sowohl die Stadträte der Offenen Linken als auch der Seniorenbeirat kennen diese Argumentation, wollen sie gleichwohl aber nicht pauschal akzeptieren. „Wir sind uns sicher, dass noch Veränderungen zugunsten von Radfahrern und Fußgängern möglich sind“, meint Kerstin Kernstock-Jeremias. Auch mit Blick auf die immer älter werdende Gesellschaft und die ökologischen Belastungen durch einen ungebremst wachsenden Individualverkehr fordert sie mehr Rücksichtnahme auf die wachsende Gruppe der älteren, nicht mehr ganz so schnellen Fußgänger.